December 01, 2004

Winterfütterung von Vögeln

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Ist Winterfütterung sinnvoll?

Von der Fütterung im Winter profitieren nur die häufigsten Brut- und Gastvögel unseres Landes, die in ihrem Bestand fast durchwegs nicht gefährdet und die an die Lebensbedingungen der kalten Jahreszeit angepasst sind. Sie sind auch in Gebieten zahlreich, wo nicht gefüttert wird. Seltene und gefährdete Arten der Roten Liste kommen nicht ans Futterbrett.

Das vorrangige Ziel für den Schutz einer artenreichen Vogelwelt ist deshalb die Erhaltung von vielfältigen und gesunden Lebensräumen.

Die Fütterung von freilebenden Vögeln ist aus der Sicht eines zeitgemässen Vogel- und Naturschutzes grundsätzlich nicht notwendig und stellt keinen bedeutenden Beitrag zur Lösung dringender Vogelschutzprobleme dar. Eine massvolle Winterfütterung ist aber auch nicht schädlich. Futterstellen bieten eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu beobachten, und sie ermöglichen schöne Naturerlebnisse. Deshalb ist gegen ein massvolles Füttern nichts einzuwenden, wenn wir uns gleichzeitig auch für die dringenden Natur- und Vogelschutzprobleme einsetzen.

Grundsätze für die sachgemässe Winterfütterung: Wann soll man füttern?


  • Grundsätzlich soll nur in den Wintermonaten gefüttert werden.
  • Nur füttern bei Dauerfrost, bei Eisregen oder wenn eine geschlossene Schneedecke liegt. Ein vorzeitiges Füttern zur Eingewöhnung ist nicht erforderlich.
  • Tageszeit: morgens und abends. Am Morgen sind die Vögel hungrig, und am Abend müssen sie für die lange Nacht vorsorgen. Morgens bevor es richtig hell wird, abends zirka zwei Stunden vor Dämmerung.

Was soll man füttern?


  • Körnerfresser (Vögel mit dickem, kräftigem Schnabel: Finken, Sperlinge, Ammern) bevorzugen Sonnenblumenkerne und Hanf sowie die handelsüblichen Freiland-Futtermischungen. Sie halten sich zusätzlich an das für Weichfresser empfohlene Futter.
  • Weich- und Insektenfresser (Vögel mit spitzem, schlankem Schnabel) fressen v.a. tierische Kost und feine Sämereien. Nur wenige Arten wie Amsel, Rotkehlchen und Star sind häufige und regelmässige Besucher am Futterbrett. Wir offerieren ihnen Haferflocken, Rosinen und Obst, das bereits etwas angefault sein darf, Baum- und Haselnüsse, Fett und Quark. Aus ökologischen Gründen sollen keine exotischen Nüsse (z.B. Erdnüsse) angeboten werden.
  • Zugvögel: können im Herbst (selten) und vor allem im Frühling durch Schneefall in ihrer Nahrungssuche stark behindert werden. Diese Arten kommen nicht ans Futterbrett. Wir helfen ihnen unter Umständen, indem wir Komposthaufen oder Miststöcke abdecken oder unter Bäumen und Sträuchern den Schnee entfernen.
  • Keine salzige Nahrung wie Speck und Salzkartoffeln anbieten. Brot ist nicht empfehlenswert (Ausnahme Wasservögel), da dieses im Magen aufquillt. Aus hygienischen Gründen auch kein Wasser anbieten, da dieses leicht mit Kot verunreinigt wird.

Wie soll man füttern?


  • Futter so darbieten, dass es nicht nass wird und vereist (Häuschen mit witterungsgeschütztem Futtervorrat, Futtersäckchen oder Fettring).
  • Die unmittelbare Umgebung der Futterstelle – mindestens im Umkreis von 2m – sollte überschaubar sein, damit nicht Feinde, wie Katzen, den Vögeln auflauern können.
  • Die Übertragung und Ausbreitung seuchenartiger Erkrankungen stellen mit Abstand die grösste Gefahr an winterlichen Futterstellen dar. Kotverunreinigungen am Futterbrett müssen möglichst vermieden werden. Die Vögel sollten also nicht ins Futter sitzen können. Allfällige Verunreinigungen mit warmem Wasser beseitigen. Damit vermindert man die Gefahr einer Salmonellen-Epidemie, einer tödlichen bakteriellen Darminfektion. Sollten Sie tote Vögel um das Futterhaus finden, so muss dieses sofort entfernt und mit kochendem Wasser und einem Desinfektionsmittel (z.B. 1% Incidin beimischen) gereinigt werden. Die Fütterung darf erst 2–3 Tage nach der Desinfektion wieder aufgenommen werden.

Wie lange soll man füttern?

  • Gegen Winterende die Fütterung nicht von heute auf morgen, sondern allmählich einstellen. Wenn Sie die Menge und die Fütterungsfrequenz stufenweise reduzieren, können sich die Tiere wieder an die normale Nahrungssuche gewöhnen.
  • Zur Brutzeit darf auf keinen Fall gefüttert werden! Auch Jungvögel von Körnerfressern werden mit Insekten gefüttert. Die meisten Jungvögel verkraften die schwer verdauliche pflanzliche Kost noch nicht und können an dem von ihren Eltern herbeigebrachten Winterfutter eingehen.

Quelle:
Schweizerische Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS – BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich.

Posted by asptec at December 1, 2004 07:59 PM